Warum nicht einfach schenken?

futureplanter april 2020

Ein Geschenk hat viele Facetten: Erziehungsinstrument, Liebesbezug, Gewissenberuhigung oder Offenbarung. Mit einem Geschenk werden auch immaterielle Werte wie Sympathie, Glück, sogar Macht transportiert. Das Schenken hat ebenfalls viel mit Einfühlungsvermögen und Altruismus zu tun. Zwei Aspekte, die in diesen verrückten Zeiten viel wert sind, wie eine Gärtnerei in Zürich und die Stadt Zug zeigen.

Wir sind momentan in der Situation, dass wir viel über uns, unser Wirken und Handeln, unsere Wirtschaft und Gesellschaft nachdenken können. Wir sind auch in der Situation, dass unser System des unendlichen Wachstums und die damit zusammenhängende Geldwirtschaft zusammenbricht. Einige Menschen haben davor grosse Angst und wollen es mit ihren Mitteln verhindern. Andere sehen darin eine grosse Chance und wollen es mit ihren Mitteln fördern.

Wir sehen deshalb einerseits die grosszügige Vergabe von Krediten – das altbewährte Muster –, wie auch die grosszügige Geste des Schenkens. Einige Menschen haben offensichtlich gemerkt, dass wir nicht immer wieder die gleichen Fehler machen müssen. Sondern andere Wege beschreiten können, die ebenfalls «Erfolge» bringen.

Eine Gärtnerei als Schenkende

Die Gärtnerei FuturePlanter aus Zürich hat – im Gegensatz zu vielen anderen Gärtnereien – einen anderen Weg beschritten, als ihre Pflanzen zu kompostieren. Statt tonnenweise gesunde Pflanzen zu entsorgen, verschenkt sie diese. Die Mitarbeitenden platzieren dafür die Pflanzen an verschiedenen Orten in der Stadt Zürich. Alle, die daran vorbeigehen, haben die Möglichkeit, die Pflanzen einfach mitzunehmen. Die Pflanzen werden so als lebendige Wesen wahrgenommen, die einfach wachsen wollen. Ein Vorbild für andere Gärtnereien, die ja – geschäftsmässig – für vielfältiges Wachstum einstehen …

Wildstauden der Gärtnerei FuturePlanter, die gratis mitgenommen werden können.

Eine Stadt als Schenkende

Die Stadt Zug führt momentan zum vierten Mal die «Aktion Wildstauden» durch und verschenkt einheimische Wildstauden für den Garten oder Balkon.

Stadtzugerinnen und Stadtzuger können sich bis zum Donnerstag dem 30. April 2020 ein Wildstaudenset entweder für sonnige oder halbschattige Standorte aussuchen. Ein Set besteht aus je fünf einheimischen Wildstauden.

Das Bestellformular mit der Setauswahl ist online unter www.stadtzug.ch – Umwelt & Energie – Umwelt – Pflanzen zu finden. Wegen der geltenden Einschränkungen werden die Wildstaudensets per Post nach Hause geliefert. Die Zustellung ist in der Kalenderwoche 20, ab dem 11. Mai 2020, vorgesehen.

Andere Städte, Gemeinden oder Gärtnereien könnten diesen zwei Beispielen folgen, indem sie ebenfalls einfach grosszügig verschenken. Möglichkeiten gibt es ja viele …

Geranium sanguineum Isabelle Blum

Der Blut-Storchschnabel Geranium sanguineum ist eine der Wildpflanzen, die verschenkt werden. Geranium sanguineum ist wüchsig, robust, wenig anspruchsvoll, trockenheitstolerant, breitbuschig, mit einfachen Schalenblüten und stark gelappten Blättern. Bevorzugt werden vollsonnige und durchlässige Standorte. Sehr wichtig für Wildbienen wie auch für Schmetterlinge.

Bilder: Future Planter © Sebastian Wagener, Blut-Storchschnabel © Isabelle Blum