Unter Uns: Ein saugender Dickkopffalter

dickkopffalter

Ein heiterer sonniger Tag im Garten Anfang August. Die Zucchetti Nachzügler haben sich prächtig entwickelt. Nun ist es Zeit, sie in den Boden zu pflanzen.

Ich stehe mit den zwei Töpfen auf den Wegplatten und suche einen Platz für die Pflanzen. Da und dort sehe ich eine Lücke und setze die Zucchetti hinein. Die Erde ist wunderbar frisch, lebendig und duftet fein. Meine Hände lieben es, darin einzutauchen, das Leben und die innewohnende Kraft zu spüren. Ähnlich wie die Zucchetti, so stelle ich mir das vor. Jetzt noch das Wässern und beendet ist der Vorgang.

Ein wenig versunken stehe ich da. Die Sonne blendet. Ein Schatten huscht vorbei und landet auf meinem Arm. Ein Dickkopffalter hat den Weg zu mir gefunden. Er leuchtet in warmen Orangetönen. Niedlich sieht er aus mit seinen gedrungenen Flügeln, dem breiten Kopf, den grossen Augen und seinem flauschigen Körper.

Das kleine Wesen bewegt sich auf meinem Arm hin und her. Ich geniesse den Moment der direkten Begegnung und beobachte ihn fasziniert.

Der Falter bewegt seinen Hinterleib in ruckartigen Bewegungen und sondert aus dem Anus kleine Tröpfchen ab. Suchend bewegt sich sein Saugrüssel, bis er die Flüssigkeit findet. Er saugt sie auf und holt sie wieder in den Körper zurück.

Interessant denke ich. Warum macht der Falter das? Ich recherchiere und finde folgende Erklärung. Die Männchen vieler Arten der Heteropterinae, einer Unterfamilie der Dickkopffalter, versammeln sich an feuchten Bodenstellen, wo sie den Boden vermutlich auf ihren Mineralgehalt untersuchen. Durch den Anus geben sie etwas Flüssigkeit auf den Boden ab, um die Mineralien zu lösen. Anschliessend trinken sie den entstandenen Cocktail aus Körperflüssigkeit und gelösten Mineralien.

Mein kleiner Besucher hat also die Gelegenheit genutzt, dass ich es liebe, in Meersalz zu baden. Vielleicht hat er aber auch die Erde an meinen Händen wahrgenommen und fühlte sich vom Duft angezogen. Wie auch immer. Diese kurze Begegnung hat mir einmal mehr gezeigt, dass in der Natur alles in einem komplexen Kreislauf ist. Alles wahrgenommen wird. Es eine Rolle spielt, wie wir uns darin bewegen.