Weniger ist Mehr

Profitable Landwirtschaft ist sehr wohl in kleinem Massstab möglich, wie zahlreiche Betriebe auf der ganzen Welt zeigen. So auch der Kleinbauernhof Les Jardins de la Grelinette, der sich durch seine Effizienz und Rentabilität auszeichnet und ein Einkommen von über 100.000 Dollar pro Hektar und Jahr erwirtschaftet, was die Lebensfähigkeit der kleinen, lokalen landwirtschaftlichen Produktion eindrücklich beweist.

Les Jardins de la Grelinette ist ein diversifizierter Kleinbauernhof in Saint-Armand südlich von Montreal. Der seit mehr als 15 Jahren von Maude-Hélène Desroches und Jean-Martin Fortier betriebene Mikrobetrieb von 1 ha arbeitet nach den Prinzipien der biointensiven Landwirtschaft und konzentriert die Produktion auf eine kleine Fläche im menschlichen Massstab, die das Leben des Bodens nutzt, um höhere Erträge zu erzielen.

Der Betrieb Les Jardins de la Grelinette in Saint-Armand südlich von Montreal,
Bildquelle: gardensall.com

Was besonders eindrucksvoll an diesem Betrieb ist, wie konsequent ökologisch, wirtschaftlich und sozial gearbeitet wird. Auf gerade mal einer Hektare werden 40 verschiedene Gemüse für über 200 Familien und Gastrobetriebe produziert, über 100.000 Dollar pro Hektar und Jahr erwirtschaftet sowie Wissen in unterschiedlichster Form vermittelt. Nachhaltigkeit ist hier kein Schlagwort und auch kein grüner Deckmantel, sondern gelebte Realität, in blanken Zahlen belegbar.

Les Jardins de la Grelinette ist ein Vorzeigebetrieb der Market Garden Methode. Kompakte Betriebe, die auf kleinster Fläche (unter 0,5 ha bis 3 ha) mit einfacher Technik und hoher Flächeneffizienz Lebensmittel produzieren. Market Garden existieren seit Mitte des 19. Jahrhunderts und haben ihre Wurzeln bei den französischen „Maraîchers“, den Pariser Gemüsegärtnern, die ab 1850 mitten in der Metropole einen Grossteil der Nahrungsmittel für ihre Einwohner produzierten.

Market Garden sind ökologisch, effizient und solidarisch

Der strategische Fokus der Market Garden liegt auf der Produktivität und Handarbeit auf kleiner Fläche, anstatt dem industriellen Ansatz, „wachse oder weiche“. Es kommt kein Traktor zum Einsatz, dafür werden ausgeklügelte und bewährte Werkzeuge wie Doppelgrabegabeln (Englisch broadfork) genutzt.

Der Verzicht auf den Traktor ergibt neue Möglichkeiten im Anbau, wie die Anwendung von deutlich dichteren Pflanzabständen bzw. Aussaatdichten oder die Integrierung von Mischkulturen. Vielfalt spielt eine grosse Rolle in diesem System. Im Schnitt werden 30 bis 50 verschiedene Gemüsearten angebaut. Pro Anbaujahr und Beet sind so bis zu vier Ernten verschiedener Gemüsesorten möglich, die in einer ausgeklügelten Fruchtfolge nacheinander angebaut werden. Die Platzausnutzung auf dem Beet und damit auf der gesamten Fläche wird maximiert.

Market Garden in North Carolina, Bildquelle: beginningfarmers.org

Inspiriert durch das System des bio-intensiven Gemüsebaus werden permanente Beetstrukturen geschaffen und genutzt, welche die Bewirtschaftung erleichtern und zur Bodenschonung beitragen. Der Boden wird als lebendiges System begriffen. Daher kommt konsequent hochwertiger Kompost zum Einsatz, um die Bodenstruktur zu verbessern und die Lebendigkeit des Bodens zu fördern. Die höheren Bestandsdichten führen überdies zu einem „Mulcheffekt“ durch die Kulturpflanzen und so zu einer verbesserten Bodenbedeckung und Verdunkelung. Dadurch kann teure Arbeitszeit für die Beikrautpflege und bei der Wassermenge für Bewässerung gespart werden.

Grosses Potenzial

Die Startinvestitionen für einen Market Garden sind durch den Einsatz von Low-Tech-Lösungen für die Maschinierung und den niedrigen Flächenbedarf tendenziell niedrig, was vor allem für junge Leute und Betriebe in der Gründung interessant ist. Die gezielte und geschickte Direktvermarktung über Marktstände, Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi), Restaurants etc. kann die nötigen Margen realisieren, um dieses Anbausystem profitabel zu betreiben.

Vielfältige, gesunde Gemüse auf dem Markt, Photo by catrina farrell on Unsplash

Die Verbreitung von Market Garden hat grosses Potenzial, die industriellen und ökologisch schädlichen Strukturen unserer globalen Lebensmittelversorgung zu dezentralisieren, enorme Transportwege zu sparen, lokale Unternehmen zu fördern, die Nahrungsmittelsouveränität im Kleinen zu stärken und die Lebensmittelproduktion wieder direkter in unseren Alltag zu holen.

The Market Gardener Internetseite
The Market Gardener Youtube

Titelbild: Photo by Damien Creatz on Unsplash