Schiedsrichter der Meinungsfreiheit

Die digitale Kommunikation über Cloud-Plattformen für Video- und Audiokonferenzen, Chats und Webinare wird vermehrt gefördert und gefordert. Immer mehr Firmen, Bildungsinstitutionen, Vereine und Private setzen sie weltweit in Vorstands-, Konferenz-, Besprechungs-, Huddle- und Schulungsräumen sowie in Büros, Klassenzimmern und Zuhause ein.

Die digitale Kommunikation wird immer mehr in Vorstands-, Konferenz-, Besprechungs-, Huddle- und Schulungsräumen sowie Zuhause, in Büros und Klassenzimmern eingesetzt. Cloud-Plattformen wie Zoom erleben einen wahren Boom. Was bedeutet das bezüglich Meinungsfreiheit?

Schiedsrichter der Meinungsfreiheit

Als Privatunternehmen legt Zoom seine eigenen Terms of Service (ToS) fest und kann entscheiden, was es auf seiner Plattform zulässt. Da jedoch der öffentliche Diskurs und sogar die Bildung zunehmend von solchen Plattformen abhängig sind oder gemacht werden, sind Unternehmen wie Zoom, YouTube und Facebook heute im Wesentlichen die Schiedsrichter der Meinungsfreiheit.

Zoom, Facebook und YouTube gebärden sich als digitale Schiedsrichter, Photo by John Schnobrich on Unsplash

Alles Digitale ist alles Zensierbare

Jede und jeder, der sich eingehend mit digitalen sozialen Plattformen beschäftigt, stösst früher oder später auf Zensur, Meinungssteuerung und Verhaltensänderung.

Folgende Geschichte dazu. Am Mittwoch haben die Unternehmen Zoom, Facebook und YouTube eine Veranstaltung an der San Francisco State University (SFSU) zensiert. Es ging um ein geplantes Webinar mit Leila Khaled, bekanntes Mitglied der PFLP (Popular Front for the Liberation of Palestine).

Wie aus der Erklärung der SFSU zu diesem Umstand hervorgeht, setzt sich die Universität nach wie vor unerschütterlich für das Recht der Fakultätsmitglieder ein, ihre Lehre und ihr Stipendium frei von Zensur durchzuführen. In diesem Fall das Recht von zwei Fakultätsmitgliedern, eine virtuelle Klasse zum Thema “Whose Narratives? Gender, Justice, & Resistance: A Conversation with Leila Khaled” zu veranstalten.

Die SFSU erklärt ferner, dass eine Universität gleichzeitig ihren Studierenden und Dozenten die Freiheit einräumen kann, gegenteilige, sogar anstössige Ansichten zu äussern, während sie gleichzeitig Antisemitismus, Islamophobie, Anti-Schwarzsein, Rassismus und andere hasserfüllte Ideologien, die Menschen an den Rand drängen, verurteilt. Dies seien komplexe Themen, aber Universitäten sollten vor allem Orte sein, an denen man debattieren und komplexe Zusammenhänge hinterfragen kann.

Was auch immer man von der politischen, historischen und gesellschaftlichen Situation von Israel und Palästina hält, hier geht es um konkrete Meinungs- und Redefreiheit, überall und speziell an Bildungseinrichtungen wie Universitäten. Es geht darum, dass private Unternehmen, die eng mit der Regierung verbunden sind, immense Macht über das haben, was gesagt werden kann, selbst in einem akademischen Umfeld.

We like you too 🙂 oder doch nicht …? Photo by Adam Jang on Unsplash

Interaktionen billigen oder verweigern

Betrachtet man diese Geschichte aus einer übergeordneten Perspektive, geht es darum, einflussreichen, globalisierten Firmen eine Gebühr für jede Interaktion zu geben. Es geht um die Macht, jede menschliche Interaktion zu billigen oder zu verweigern.

Wenn wir Meinungsfreiheit und Redefreiheit grundlegend schätzen – mit allem, was dazu gehört – und auch weiterhin wollen, ist es dann nicht unsere Pflicht, diese Infrastrukturen daran zu hindern, den Monopolstatus von Regierungen und die allgemeine öffentliche Akzeptanz zu erlangen?

Wir haben diese Wahl. Oder nicht …?

Tipp:The Social Dilemma – eine Dokumentation zu Sozialen Medien und der damit verbundenen Kontrolle, Manipulation, Polarisation, Trennung und Monetarisierung. Ja, die Dokumentation ist von Netflix … Darüber kann man ebenfalls diskutieren und geteilter Meinung sein …

Titelbild: Photo by Josh Rose on Unsplash